Tagelang eingetaucht in versunkene Zeiten
Hufgetrappel im Ohr
die Stimmen von Menschen
Wiehern und Stampfen
Gerüche nach Schweiß
|als ich ein Reitermädchen war|

Natalie Goldberg, Autorin und Schreibtrainerin, sagt:
„Schreiben ist wie Laufen – je öfter Sie es tun, um so besser werden Sie.“
Von Juni 2016 bis Mai 2017 habe ich jeden Morgen ein Gedicht verfasst (max. 140 zeichen) und auf Twitter (@schreibsalon) publiziert. Hier findest Du eine Auswahl.
Tagelang eingetaucht in versunkene Zeiten
Hufgetrappel im Ohr
die Stimmen von Menschen
Wiehern und Stampfen
Gerüche nach Schweiß
|als ich ein Reitermädchen war|
Ein Nachmittag Ende Oktober
Ein Köter kläfft, zerrt an der Leine
Man fragt sich, ob er sich losreißt
Wie erstarrt steht man da
Und hofft
Godewind, Scarlett, Senator
Magic, Mano, Madame,
Maxl, Calypso, Monsun
Pferdenamen
Vergilbte Fotos
Lederhandschuhe in einer Lade
|Damals|
Heute treffen sie sich offenbar zu
einer Hitchcock-Gedenkveranstaltung.
Versteckt in den Ästen der alten Pappel
hocken sie und lärmen und krächzen
|Die Krähen|
Montag Früh
Das Buch zur Seite legen
Andere Fäden wieder aufnehmen
Kritzeln, Zeichnen, Schreiben
Gedanken sortieren
Erreichbares planen
Überblick schaffen
Jetzt eine Tasse Tee
Nun wieder zu den Pferden.
Bei Schwarztee
und dem Duft von Zitronenmelisse
Papiergeflüster, Gedankenaustausch
mit Ulrich Raulff.
Alsbald Schnauben und Hufgetrappel
im Ohr.
Nun gut.
Werden die T-Shirts,
die Leinenhosen
und die Sandalen
verräumt, verstaut, versteckt.
Und schlürfen wir Nebelsuppe.
Ich akzeptiere es.
Leicht wäre es heute
ins Jammern zu fallen
Grau in grau dieser Tag
Und dann denke ich, ja, okay, jammern,
und dankbar sein, so zwischendrin
Die Lehrerin, die mich einst zwang,
den Stift mit der rechten Hand zu führen,
konnte meine Freude am Schreiben
nicht ausradieren