Herzlich willkommen!

Mein Name ist Bettina Reinisch. Ich bin Psychotherapeutin und Autorin. 2015 habe ich an einem Lehrgang teilgenommen, um Schreibtrainerin zu werden. Und im selben Jahr habe ich meinen wunderbaren Schreibsalon gegründet.

Heute nenne ich mich nicht Schreibtrainerin, sondern lieber “Schreibbeflüglerin”, denn ich liebe es, schreibverzagte Menschen zu beflügeln. Ich freue mich, wenn  Schreibmuffel ihre Angst vor dem weißen Blatt verlieren. Und das geschieht, weil ich sie mit dem Schreibvirus infiziere.

Der Schreibvirus ist nicht gefährlich. Denn Schreiben ist schön, Schreiben macht Spaß, und Schreiben fördert die geistige Klarheit. Das klingt vielleicht unglaublich für Dich. Nun, damit bist Du nicht alleine. Die meisten, die  in den vergangenen Jahren zu mir in meinen wunderbaren Schreibsalon kamen, saßen anfangs ungläubig und verzagt am Tisch. Doch nach dem ersten Gespräch übers Schreiben und nach der ersten Schreibeinheit verändert sich die Haltung zum Schreiben gewöhnlich und der Schreibvirus beginnt seine Wirkung zu entfalten.

Was das Schreiben betrifft, hatte ich großes Glück. Meine Mutter kochte ungern, aber dafür las sie Abende lang historische Romane. Mein Vater studierte Sachbücher über Reinhold Messner und andere Abenteurer. Mein großer Bruder verschlang Geschichten über Goldgräber und Weltumsegler. Und alle lasen sie mit Verve die Süddeutschen Zeitung. Im Radio sang Reinhard Mey von seiner Küchenschabe und der Pumuckl krächzte Gedichte. Vor dem Einschlafen wurde mir Geschichten vorgelesen. Geschriebene und gesprochene Worte und Sätze streichelten meinen Geist nahezu permanent.

Als ich endlich, endlich selber lesen konnte, las ich so ziemlich alles, was mir an Kinderbüchern von aufmerksamen Erwachsenen geschenkt wurde. Und auch später hörte ich nie auf zu lesen. Mein Lieblingsfach in der Schule war Deutsch. Und wieder hatte ich Glück mit den Lehrerinnen und Lehrern. Alle mochten meinen Stil, meine Art zu schreiben und zu formulieren.

Nur eines hatte ich zu verkraften, und zwar gleich beim Eintritt in die erste Klasse Volksschule. Die Lehrerin sei “streng, aber gerecht”, hieß es im Dorf. In Wirklichkeit war diese Frau überaus aufbrausend, autoritär und unberechenbar. Die Idee, Kinder zu “beflügeln” dürfte ihr vollkommen fremd gewesen sein. Sie teilte Ohrfeigen aus und ließ ein Kind auch mal zur Strafe in der Ecke stehen, wenn es ihrer Ansicht nach “den Unterricht gestört hatte”. Wir waren sechs Jahre alt. Klein, zierlich, und manche von uns voller Angst, was jetzt wohl wieder passieren mag. Man konnte nie  sicher sein. Wir lernten schnell, uns in unsere Bänke zu ducken und still zu halten. Und ich, die ich vollkommen begeistert in diese Schule ging, weil ich endlich lesen und schreiben lernen würde, erlebte meinen ersten schweren Dämpfer: “Nein! Du nimmst den Stift nicht mit der linken Hand! Mit der rechten Hand wird geschrieben!”

Ich kenne heute einige Menschen, die das selbe erlebt haben. Linkshänder, die gezwungen wurden, mit der rechten Hand zu schreiben. Die meisten von uns erinnern sich gut an diese Umerziehungsmaßnahme, und manche werden heute noch wütend, wenn sie daran denken.

Wieder hatte ich Glück. Die Tatsache, dass ich gezwungen wurde, mit der rechten Hand zu schreiben, dürfte mich nicht nachhaltig erschüttert haben. Es führte lediglich zu einer krakeligen Handschrift. Dafür bekam ich einen 3er im Zeugnis, aber an meiner Lust zu lesen und zu schreiben änderte das nichts. Und als ich 13 war und zum ersten Mal verliebt, musste eines meiner leeren Hefte als Tagebuch herhalten. Damit war die Schreiberin in mir erwacht. Und trotz einiger Phasen, in denen sie schlummerte, wachte sie immer wieder auf.

Heute schreibe ich täglich. Ich schreibe, um meine Gedanken zu sortieren, um Erlebnisse zu verdauen, um Konflikte zu lösen, um die Welt besser zu verstehen. Und aus ziemlich vielen anderen Gründen. Schreiben hat mir geholfen, große und kleine Krisen zu überstehen. Nie mehr möchte ich ohne Papier und Stifte durchs Leben gehen.

Und weil das so ist, gibt es für mich fast nichts Besseres, als auch andere Menschen mit diesem Virus anzustecken.