Wenn du im Juni
120 Seiten Rohtext
zur Korrektur bekommst
von einem,
der dir im Herbst sagte:
„Ich kann nicht schreiben“.
Schon schön.
Guten Morgen!

Natalie Goldberg, Autorin und Schreibtrainerin, sagt:
„Schreiben ist wie Laufen – je öfter Sie es tun, um so besser werden Sie.“
Von Juni 2016 bis Mai 2017 habe ich jeden Morgen ein Gedicht verfasst (max. 140 zeichen) und auf Twitter (@schreibsalon) publiziert. Hier findest Du eine Auswahl.
Wenn du im Juni
120 Seiten Rohtext
zur Korrektur bekommst
von einem,
der dir im Herbst sagte:
„Ich kann nicht schreiben“.
Schon schön.
Guten Morgen!
Hier unten
riecht es nach Erde und Rauch
Hoch oben
schweben die Mauersegler
vor zerrissenen Wolken
als würden sie tanzen für mich
Aus allen Wolken
strömt das Wasser
mit wuchtiger Kraft
zerschellt am Efeu
Die Hummeln
die neulich noch
im Oleander tanzten
sind endgültig fort
In dieser Nacht
heftige Stürme
Abkühlung brachten
Färbten am Morgen
den Himmel blaugrau
Zauberten Meeresrauschen in die Bäume
und mir Sehnsucht ins Herz
Wassermelonen am Markt hier
weckten Erinnerungen an
Sweet Mississippi Melons
in Chatham, Chicago
Im Auto sang Tracy Chapman von
„Mountains o’ things“
Mit FreundInnen in der Wiese hocken
und brabbeln mit der kleinen Charly-Rose,
die heute erstmals „Mama“ sagte.
Und alles ist kurze Zeit gut.
In den Hinterhof
wo die Blätter rascheln
und die Amseln eifrig ihre Nester flicken
quillt über das Dach
schrilles Kreischen vom Sportplatz
„No I’m not tired.
I have a curious constitution.
I never remember feeling tired by work,
though idleness exhausts me completely.“
Mr. Sherlock Holmes
Gute Nacht allerseits!
Hinter dem jungen Marillenbaum
flirren die Mausersegler durchs Blau
Zwei Häuser weiter
spielen die Kinder im Garten
Der Sommer kündigt sich an
Fußballfans trösten.
Wenn ich bloß wüsste, wie man das macht.
Unbeeindruckt übrigens trällern
die Wiener Amseln im Chor.