Unter der Dusche
die Erinnerung an die Nacht
tiefschwarz und unsichtbar
zirpten die Grillen im Dunkeln
Wenig Bewegung nun
und beinahe Stille
Kategorie: Tweets

Natalie Goldberg, Autorin und Schreibtrainerin, sagt:
„Schreiben ist wie Laufen – je öfter Sie es tun, um so besser werden Sie.“
Von Juni 2016 bis Mai 2017 habe ich jeden Morgen ein Gedicht verfasst (max. 140 zeichen) und auf Twitter (@schreibsalon) publiziert. Hier findest Du eine Auswahl.
Halb acht Uhr morgens
Wieder Baulärm,
ein Flugzeug,
ein Martinshorn,
und Motorräder knattern
Nur ein Vogel tschilpt.
Der Himmel im Norden weißblau.
Morgens um Fünf
Gestern Besuch von den Hummeln
auf Blüten, zartlila und weiß
Nachts Regengüsse
Jetzt Pfefferminztee
und ein Buch aus längst versunkener Zeit
Josefsgasse (I)
In der Gasse schaufelt ein Mann
raschelnden Kies
Im Theater putzt eine Frau ohne Kopf
dunkle Fenster
Tiefdruckgeruch nach Fisch und Kaffee
Am Frühstückstisch
Ausgefranste Gedanken
begleitet von Glockengeläut
und dem Schrillen der Säge im Hof
Ein Maikäfer geistert durchs Hirn
Tagesreste
Abends im Park
roch es nach Hundekot
Schnaps und vergossenem Wein
Eine Coladose kollerte über die Straße
Spuren vom verwesenden Tag
Halb zehn Uhr morgens
Nachts zirpten Grillen
Gegen vier wurde es kühl
Nun Baulärm und Männerstimmen
Ein Hubschrauber knattert über das Dach
Leise fiepen die Vögel
Wasser (I)
Erinnerungen an den Fluss
der behäbig und mit löchriger Miene
im goldenen Abendlicht
unsere Herzen grün schimmern ließ
Am Land (V)
Am Morgen perlten
Wassertropfen am Tisch
Jetzt surren Fliegen im Schatten
Im Norden häufen sich Wolkengebirge
Am Land (IV)
Am Morgen gehen statt schreiben.
Entlang des Wegs
hüfthohes Gras, roter Mohn
und die Erinnerung an eine knorrige Tür
