Fluchen
über verdammte Tweets
die sich nicht schreiben
oder Gedanken
die sich nicht formen lassen wollen
(Hilft aber auch nichts)
Kategorie: Tweets

Natalie Goldberg, Autorin und Schreibtrainerin, sagt:
„Schreiben ist wie Laufen – je öfter Sie es tun, um so besser werden Sie.“
Von Juni 2016 bis Mai 2017 habe ich jeden Morgen ein Gedicht verfasst (max. 140 zeichen) und auf Twitter (@schreibsalon) publiziert. Hier findest Du eine Auswahl.
MA48
Holterdipolter im Innenhof
Mülltonnenrumpeln
Soll ich da zumachen? fragt die Nachbarin
Danke! Danke! Danke!
Schönen Tag noch!
Ebenfalls!
Die sogenannte „MA48“ ist die Wiener Magistratsabteilung 48, die für Abfallentsorgung zuständig ist, aber auch eine Menge tut, um uns in Wien das Abfallvermeiden, Mülltrennen und Straßen sauber halten leicht zu machen.
Auf diesem Weg sage ich einmal Danke.
Montagmorgen
Als es dämmerte
surrten Fliegen
über der Dachrinne unter dem Fenster
Jetzt hört man iphone-Harfenmusik
Eine Tür fällt laut ins Schloss
An diesem Morgen
kurz durch die Zeit reisen
und nach Feldkirch
Den jungen Arthur C. Doyle
im Internat besuchen
Mit Mr. Joyce Tee trinken
Gestern unterhielt ich mich mit einem alten Freund aus Studientagen, der in Feldkirch lebt. Wir sprachen über die wunderbaren Geschichten von Sherlock Holmes und Dr. Watson. Und mein Freund erzählte mir, dass Sir Arthur Conan Doyle einige Jahre in Feldkirch in der Schule war – und James Joyce, so wird vermutet, den letzten Teil von „Ulysses“ in Feldkirch verfasst haben soll.
Wen’s interessiert, hier finden Sie mehr über die beiden in Vorarlberg, und auch über andere Autoren (übrigens lt. diesem Artikel ausschließlich Männer).
Samstag Morgen
Im Schatten eines imaginären Esels hocken
und mit Vergnügen ö1 gehört lesen
Ein wenig klüger nun bin ich
(zur Erklärung: „ö1 gehört“ ist das monatliche Magazin des österreichischen Radiosenders ö1. In der Ausgabe 09/2016 wird eine Sendung aus der Reihe „Dimensionen“ in einem Artikel angekündigt – über „Die Macht der Dummheit“. Auf diesen Artikel von Nikolaus Halmer bezieht sich mein heutiger Morgentweet)
In die Ferne
Kleine Papierflieger sind heute morgen meine Gedanken
Nichts wissen wollen sie von der Welt
Fort fliegen wäre schön
Weit fort in längst versunkene Zeiten
Morgentöne
Heute war es lange Zeit still
Nun leises Fiepen der Vögel
Im Oleander ein Summen
Irgendwo rasselt ein Wecker
Eine Frau hustet laut
Spätsommer
Der Frühsommertonfall ist nun verebbt
Irgendwo leises einsames Zwitschern
Durchs Gewirr gründichter Efeublätter
sausen winzige Ameisen
Geniale Sätze
Nachts ein genialer Satz
der wie jene riesige Qualle
Steuerbord auftauchte
und bevor ich sie ablichten konnte
abtauchte in dunkles Grün
(Das ist so eine Sache mit den „genialen“ Sätzen. Sie fallen einem in den unpassendsten Augenblicken ein. Unter der Dusche, am Klo, oder eben nachts um halb drei. Um sie ja aufzuschreiben, empfehlen manche SchreiblehrerInnen, man möge doch jederzeit einen Block und Stift mit sich tragen. Meiner Erfahrung nach sind jedoch diese Sätze oft nicht so genial, dass man sie „unbedingt“ notieren müsste. Oft sind sie nicht einmal besonders klug. Und falls doch, tauchen sie auch irgendwann später wieder auf. Also habe ich beschlossen, dass Block und Stift durchaus auch mal irgendwo herum lümmeln dürfen, fern von mir.)
Die Möwe
Wie es wohl wäre
malen zu können
wie die Natur
oder
über den Wellen zu gleiten
wie eine Möwe im Wind
