Schreibgruppen

Bettina Reinisch„Es kann nie genug Schreibgruppen geben!“

Rechts von mir hör ich das sanfte Kratzen einer Füllfeder. Eine Hand scheint übers Papier zu fliegen. Links von mir hör ich das leise Klickern einer Tastatur. Hier wird an der Überarbeitung eines Textes gearbeitet. Gegenüber von mir malt eine Teilnehmerin ein Clustering in Rot, Blau und Grün. Ihre Nebenfrau blickt konzentriert auf den Bildschirm ihres Laptops. Und der einzige Mann rauft sich kurz die Haare, bevor er an seinem Sachbuch weiter schreibt.

Wieder einmal haben wir uns zum Schreibvormittag am Freitag getroffen. Sechs Personen sitzen an einem Tisch und arbeiten konzentriert an ihren Texten.

Die Treffen laufen nach einem festgelegten Schema ab. Ab 9:30 Uhr trudeln wir ein, spätestens um 10 sitzen wir am Tisch und beginnen mit einem Austausch. Jeder und jede erklärt in wenigen Sätzen, woran er oder sie heute arbeiten will. Wer Fragen oder Unsicherheiten hat, bekommt von allen anderen Tipps und Schreibtricks, die ermuntern und weiterhelfen. Dann legen wir los.

Ich sorge für die Struktur, unter anderem auch dafür, dass wir kurze Pausen einlegen, die wichtig sind, um motiviert und geistig wach zu bleiben. Im Schreibsalon gibt’s natürlich auch Tee und Getränke. TeilnehmerInnen stellen Obst und Studentenfutter oder Kekse auf den Tisch. So können wir uns zwischendrin auch belohnen.

Meistens haben wir drei gute Stunden Zeit. Wir schreiben „wie die Verrückten“ (Zitat einer Teilnehmerin). Das gemeinsame Schreiben motiviert uns, stärkt uns, und bewahrt uns davor, uns abzulenken (zum Beispiel mit Ausflügen ins world wide web – denn wir surfen nicht, wir schreiben!)

Kurz vor 13 Uhr legen wir die Füllfedern zur Seite, klappen die Laptops zu, räumen die Farbstifte weg, und gehen in die „Bilanzrunde“ (so nenne ich das gerne). Jeder und jede erzählt wieder kurz, wie es ihr mit dem Schreiben ergangen ist und was sie heute weiter gebracht hat. Und wir geben einander Applaus.

Schreibgruppen wie diese können Sie selbst übrigens auch initiieren.

Probieren Sie es einfach aus! Es macht wirklich Spaß.

Denn es kann nie genug Schreibgruppen geben!

Autor: Bettina Reinisch

Psychotherapeutin (Personzentrierter Ansatz nach Carl R. Rogers) in Wien
Supervisorin, Coach

Und hier lebe ich meine wieder entdeckte Begeisterung fürs Schreiben und Lesen aus.

Meine Mission: Möglichst viele Menschen mit diesem Schreib- und Lese-
Virus anzustecken.