Schreiben in Piran

Piran
Piran

15 Leute an acht kleinen, quadratischen Tischchen auf einer Terrasse über den Dächern Pirans. Es ist Mitte August. Und hier haben wir uns versammelt, um zu schreiben.

 

 

Bettina Reinisch
Der Heilige Georg

Nördlich von uns, auf einem Hügel, die Kathedrale mit der imposanten Statue des Hlg. Georg auf der Turmspitze. Sie dreht sich mit dem Wind und warnte so in den alten Zeiten die Fischer vor Wetterumschwüngen und dem drohendem Tramontana, der Abkühlung, Regen und Sturmböen mit sich bringt.

 

Bettina Reinisch
Der Hafen

Unter uns, auf der Südseite liegt der Hafen mit Fischerbooten, die  auf den Wellen schaukeln. Vom Tartiniplatz nordwestlich unter unserer Terrasse hört man Gelächter und Stimmengewirr.

 

„War es nicht heiß dort?“ fragt mich nach meiner Rückkehr eine Freundin. „Ja, klar“ „Und laut?“ „Ja, auch“ „Und in dieser Umgebung konntest Du schreiben?“

Ja. Dort konnte ich sehr gut schreiben.  Und wir alle konnten dort sehr gut schreiben. Obwohl es natürlich stimmt: Im Hochsommer ist in Piran ganz schön viel los. Menschen. Autos. Hunde. Dazwischen wuseln Katzen herum. Schiffe legen an und imposante Motoryachten brausen mit Getöse aufs Meer hinaus. Aus den Cafés tönt laute Musik. Unzählige Badegäste, vor allem am Wochenende natürlich. Abends oft Live-Musik. Es ist also gar nicht so einfach, gute Schreibplätze zu finden. Doch wir hatten sie:

Die guten Schreibplätze

Zu verdanken war das der Autorin und Schreibtrainerin Ana Znidar, die dieses Writers Retreat leitete und uns mit ihrer Schreibbegeisterung infizierte.

Bettina Reinisch
Später Nachmittag in Piran

Ana kennt gute Schreibplätze, wo wir uns als Gruppe treffen konnten. Die Terrasse war einer dieser guten Plätze, und wem es dort zu sonnig wurde, der konnte sich in einen kühleren Seminarraum zurückziehen. Am späten Nachmittag schrieb ich im Café Teater, mit Blick aufs glitzernde, funkelnde Meer. Hier konnte ich mich vertiefen in die eher deprimierende Theorie Sigmund Freuds des „Thanatos“ (Todestriebs), ohne dabei selbst in tiefe Depression zu verfallen. Die gute Stimmung um mich herum half dabei sehr. Das Interesse der anderen Schreibenden ebenso.

Wertvolle Schreibinspirationen

Wir schrieben nicht nur nebeneinander, sondern bekamen von Ana auch gute Tipps, die uns halfen, gleich am ersten Abend in den Schreibfluss zu springen – ohne Wenn und Aber legten wir gleich in der ersten Stunde los, angeregt von ihren Schreibaufgaben. Später inspirierte sie uns mit klugen Fragen und abwechslungsreichen Schreibideen.

Wertvolles Feedback

Ganz wichtig – jeden Tag gab es Feedback-Runden. Von Ana Znidar moderiert, sind diese Runden besonders ergiebig. Weil man nachher eine Menge darüber weiß, wie das Geschriebene auf andere wirkt, was man noch genauer erklären sollte und ob das, was man sagen wollte, auch das ist, was am Papier steht.

Merke: Schreiben, Bewegung und Entspannung ergänzen einander hervorragend
Bettina Reinisch
Versteckte Gassen in Piran

Ana erinnerte uns auch daran, wie wichtig es ist, beim Schreiben Pausen einzulegen. Ich nützte die Pausen, um durch die Stadt zu spazieren oder zu schwimmen, um einfach  mal aufs Meer zu blicken, oder als „Belohnung“ für geschriebene Seiten auch mal shoppen zu gehen – und all das trug zum Erfolg und zur Produktivität bei.

Übrigens: jeden Tag begann ich mit dem Schreiben von „Morgenseiten“. Die Quintessenz veröffentlichte ich auf Twitter (unter @schreibsalon) beziehungsweise hier auf diesen Websites (einfach oben rechts auf das Menü „Tweets“ klicken.)

Und in den Schreibpausen

konnte ich schnorcheln, umringt von neugierigen Fischen, Spaziergänge durch verwinkelte Gassen und über steinerne Stufen unternehmen

Bettina Reinisch
Die stürmische See bei steigender Flut

oder eine Bootsfahrt mitmachen, köstlichen Mahlzeiten genießen bei gastfreundlichen Wirtsleuten, die Slowenisch, Serbisch, Kroatisch, Italienisch und Deutsch verstehen. Und Bilder von Wellen einfangen, die an stürmischen Abenden dramatische Auftritte liefern.

Das Schreibergebnis

kann sich sehen lassen: Bei mir waren es 27 Seiten Rohtexte und Notizen, am Computer sieben Seiten überarbeiteter  Text – damit bin ich hochzufrieden.

Auch alle anderen berichteten von vielen vielen geschriebenen Seiten, neuen Ideen und Notizen. Und von dem großen Wert des Feedbacks, das alle, die wollten, auf ihre Texte bekommen hatten.

Neue Pläne

Eines der herausragendsten Ergebnisse dieses Writers Retreat ist ein wiedergefundenes positives Verhältnis zum Planen, Ordnen und – wie schon erwähnt – zu den Arbeitspausen. Und das alles bezieht sich nicht nur auf meine Schreibprojekte, sondern auf alle meine Projekte. Und alleine dafür hätte es sich schon gelohnt, diese Teilnahme am Writers Retreat in Piran. Aber wie gesagt – es war viel mehr. Und last not least habe ich andere Schreibende und spannende neue Textprojekte kennen gelernt.

 

Bettina Reinisch
Piran

Autor: Bettina Reinisch

Psychotherapeutin (Personzentrierter Ansatz nach Carl R. Rogers) in Wien
Supervisorin, Coach

Und hier lebe ich meine wieder entdeckte Begeisterung fürs Schreiben und Lesen aus.

Meine Mission: Möglichst viele Menschen mit diesem Schreib- und Lese-
Virus anzustecken.