Der große Irrtum

Der außerordentlich dilettantische Wahlspruch der 70er Jahre: Kein Mensch ist wie der andere, ein fataler Irrtum. Es ist eher ernüchternd zu sehen, wie wir alle einander gleichen, in unseren kleinen Träumen und Sehnsüchten, in unseren Ideen und dem Aussehen, wenn wir das akzeptieren, uns als Teilchen eines großen Ganzen begriffen, mit einer sehr begrenzten Haltbarkeitsdauer, könnten wir erleichtert aufatmen, dankbar sein, irgendeinen Menschen zum Teilen der Nichtigkeit zu finden, ein Dach, eine Decke, ein Buch, wir könnten uns gestatten, uns nicht zu wichtig zu nehmen, und die Welt wäre ein erfreulicherer Ort.
Sibylle Berg (2014): Die Fahrt (S. 97f.)

An diesem Wochenende hier bei mir: Eine Decke. Ein Buch. Wie sehr ich das genieße. Und wie sehr ich Sibylle Bergs Gedankengänge mag. Nicht, weil ich immer einer Meinung mit ihr wäre. Doch allein für diese Passage hätte sich das Lesen schon gelohnt. Und für diese Idee: Eine Decke. Ein Buch. Und lesen.

Schönen Sonntag Euch allen!

Autor: Bettina Reinisch

Psychotherapeutin (Personzentrierter Ansatz nach Carl R. Rogers) in Wien
Supervisorin, Coach

Und hier lebe ich meine wieder entdeckte Begeisterung fürs Schreiben und Lesen aus.

Meine Mission: Möglichst viele Menschen mit diesem Schreib- und Lese-
Virus anzustecken.